Über Helmut von Berg

Friedrich war der Kompromiss mit den Schwiegereltern. Fritz sollte nicht, Helmut musste sein.Überlange Schulkarriere, 1968ff, Studium aufgegeben, Unternehmer geworden:(Während der Schulzeit gelernt, eine Rotaprint RKL zu bedienen, die Grundprinzipien von Offsetdruck zur Kenntnis genommen. Der Zuschuss war enorm.) Jetzt Repro in einem Crashkurs, die Druckereiabläufe umgekrempelt. Aus »Pepita-Druck« wird eine Offsetdruckerei. Der größte Auftrag (Vertragsunterlagen der Gaspipeline UdSSR-BR Deutschland) bringt neben mehrwöchiger Vollbeschäftigung rund um die Uhr das Geld für Investitionen - in Qualität.Mein erstes Buch auf einer Heidelberger KORD gedruckt, es war sonst keiner da - Weihnachtszeit. Viel Zuschuss und einen gnädigen Kunden gebraucht, aber: Termin gehalten.Viel über den Markt gelernt, der irgendwann weg war. Insolvenz hieß damals noch Konkurs. Konsequenz und Weitsicht gezeigt, immerhin.Studium wieder bei Null angefangen. Im Verlag halbtags als Hersteller. Wieder vom Zusehen gelernt. Mitte der 80er kauft sich ein Freund einen der ersten tragbaren Compaq-PCs - Weltraummodell, 10.000 DM. In seinem Urlaub breche ich mir die Finger mit DOS und WORD. Das wichtigste hat er mir beigebracht: Warmstart, Kaltstart, es kann nichts kaputtgehen.Nicht viel später soll ich eine Herstellungsabteilung aufbauen, die »neuen Technologien« integrieren: LAN 1988. Schon bin ich Administrator, lerne Server hoch- und runterzufahren, freundlich mit ihnen zu reden, wenn sie störrisch sind, bin gut darin, Menschen, die davor Angst haben, den PC nahezubringen (die Tränen sind vergessen, sobald sie es können), andere darin zu unterstützen, besser zu sein als ich, nur noch Reserve-Admin zu sein.Bald darauf: mit brummendem Kopf aus langen Sitzungen für eine Datenbankkonzeption kommen, über RTF Kataloge in WORD mit Druckformatvorlagen erzeugen, dBase lernen, im AKEP diskutieren, Konzepte entwickeln aus einer Blackbox nutzertaugliche Infos zu generieren: ein CD-ROM-Konzept entwickeln; ePublishing in den Kinderschuhen.1996Erste öffentliche Präsentation meiner Ideen im November 1996Schon damals ging es mir darum, Kunden zu erreichen und einzubeziehen.Ich kann mich noch gut an die Veranstaltung erinnern. Neben mir auf dem Podium junge, ausgewiesene Fachleute - und ich, alter Knacker, mit dem Bonus dessen, der Geld ausgibt. Der Saal voll und mein Einstieg erheitert so, dass ich Mühe habe, wieder ein sachliches Gleis zu finden.Dabei waren die Dinge, die ich gesagt habe, noch aus heutiger Sicht erstaunlich klar und treffend. Auch wenn ich mit diesem Blog noch immer kämpfe.Mehr bei helmut-von-berg.de(Downloadmöglichkeit unter Publizieren/Präsentationen)1997Konkreter Vorschlag für die Entwicklung einer Website 1997Umsetzung der Ideen von vor Monaten, ein Thema für ERFA-Kreise.Promotion mit Esther Dyson auf der Buchmesse - mit Tagesschau und pipapo. Nützt nicht so viel, weil die nächsten gleich daraus lernen und mehr tun als wir. Aber die Idee einer Website kommt voran. Plötzlich gibt es ein Profilierungsfeld für Karrieren.1999-20001999 und 2000 Konzepte für Digitaldruck (Printing on Demand) entwickelt und in London bei einer internationalen Verlagskonferenz und in Strasbourg beim Europarat vorgestellt:PoD 2000Printing on DemandPrinting on Demand eröffnet auch den Publikumsverlagen Sparpotenziale. Der Druck von Nachauflagen könnte »just in time« erfolgen, große Lager- und Restbestände würden vermieden. Ein Interview mit Helmut von Berg, Leiter Produktion und Einkauf bei Droemer Weltbild.Dass Printing on Demand (PoD) mehr leisten kann, als vergriffene Titel auf Wunsch wieder lieferbar zu machen und Kleinauflagen im wissenschaftlichen Bereich kostengünstig zu realisieren, beweist ein Pilotprojekt im Hause Droemer. Welche Vorteile der bedarfsgerechte Digitaldruck für einen Publikumsverlag hat – das erläutert Helmut von Berg, Leiter Produktion und Einkauf bei Droemer Weltbild, im Gespräch mit BÖRSENBLATT-Redakteurin Sabine Cronau.Warum denkt ein Publikumsverlag wie Droemer darüber nach, Printing on Demand für seine reguläre Produktion einzusetzen?von Berg: Die Publikumsverlage haben alle ein zentrales Problem – die Durchschnittsauflagen sinken in einen Bereich, der den Nachdruck von Exemplaren im Offsetverfahren wirtschaftlich schwierig macht. Mit den vorhandenen Techniken müssen wir bei Nachauflagen Büchermengen produzieren, die mehrere Monate brauchen, bis sie das Lager wieder verlassen haben und verkauft worden sind. Das kostet Geld, und das Risiko, das damit verbunden ist, wächst, je länger die Bücher am Lager liegen. Die Alternative ist, die Programmbreite zu reduzieren. Doch weil das niemand will, müssen wir eine Lösung finden. Printing on Demand eröffnet die Möglichkeit, sehr kurzfristig und nachfrageorientiert kleine Mengen zu drucken. Zurzeit führen wir Gespräche mit verschiedenen Druckereien, um zu klären, wer uns den Digitaldruck so schnell und so kostengünstig wie möglich bieten kann.Wie hoch sind die Auflagen, die Sie »on demand« produzieren wollen?Wir könnten die Startauflage offset drucken und später termingerecht den jeweiligen Wochenbedarf digital nachproduzieren – beispielsweise 500 Exemplare. Wir hätten damit einen sehr überschaubaren Zeitraum, um die Nachfrage abzuschätzen, und könnten in der Woche darauf 500 weitere Exemplare drucken – oder auch nur 300, ganz nach Bedarf.Und wenn die Nachfrage aus einem aktuellen Anlass in die Höhe schnellt und der Digitaldruck dadurch bei den Kosten schlechter abschneidet als der Offsetdruck?von Berg: Dann kommt das Buch eben wieder auf die Offsetrolle – etwa wenn der Titel im »Literarischen Quartett« besprochen wird oder einen renommierten Preis bekommt. Wir wollen einen Prozess installieren, der dem Drucker letztlich freistellt, auf welchem Weg er produziert. Wir wollen nur verlässliche Kosten und ganz kurze Produktionszeiten. Natürlich kann man heute auch 500 Exemplare offset drucken, aber bis das Buch gedruckt, gefalzt, gebunden und schließlich ausgeliefert ist, vergeht eine Produktionszeit von mindestens einer Woche. Beim Digitaldruck hingegen kommt am Ende ein fertiger Buchblock heraus – und das in kürzester Zeit. Das macht einen großen Teil der Effektivität dieses Verfahrens aus. Langfristig denken wir zudem über dezentrale Druckstationen nach – da bleibt nur noch eine relativ kleine Auflage übrig.Könnten diese dezentralen Druckstationen eines Tages auch die Buchhandlungen selbst sein?von Berg: Durchaus, aber das ist natürlich noch Zukunftsmusik. Wenn Printing on Demand funktioniert, wird es sehr wichtig sein, eine dezentrale Form für diesen Prozess zu finden, um alle anfallenden Kosten, auch auf der Logistikseite, zu minimieren. Das bedeutet, dass man versuchen muss, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt möglichst nah am Kunden zu produzieren. Eine Produktion beim Auslieferer könnte hier unter Umständen noch zu weit weg sein…Sind denn intern schon alle Voraussetzungen für den Start geschaffen?von Berg: Bei den Druckdaten ja, bei den Verwaltungsdaten nein. Im Moment arbeiten wir im Haus mit großem Nachdruck daran, Abläufe zu optimieren. Wir dürfen den Digitaldruck nicht mit zusätzlichen Verwaltungskosten befrachten – weder bei uns noch in der Druckerei oder beim Versand. Deshalb wollen wir die Aufträge online vergeben, damit der Prozess nicht durch Papier oder Zeitverluste behindert wird. Die Daten sollen in strukturierter Form übernommen werden und so an uns zurückfließen, dass wir sie nicht noch mal von Hand bearbeiten müssen. Ein Beispiel: Gedruckte Rechnungen müssen wir heute noch von Hand am Rechner erfassen – was wiederum Fehlerquellen birgt.Der Austausch der Verwaltungsdaten ist sicher nicht die einzige Hürde …von Berg: Nein, Hemmschuhe sind derzeit auch noch die zu hohen Kosten und die Logistik vor und nach der Produktion: Es ist nicht so leicht, für viele verschiedene Kleinauflagen Material vorrätig zu haben, das sofort einsetzbar ist – und die produzierten Kleinmengen hinterher auch zügig zu verteilen. Die Drucker müssen darüber nachdenken, welche Leistungen sie langfristig anbieten. Unter Umständen müssen sie künftig mehr Dienstleistungen an das Produkt Buch binden, indem sie Bestellungen annehmen, ausführen und gegebenenfalls auch direkt an den Buchhandel ausliefern.Das würde aber in beiden Branchen gewohnte Strukturen auf den Kopf stellen …von Berg: Die Prozesse müssen sicher neu definiert werden. Die Produktionsgrundlagen verändern sich, und wir müssen mit den Konsequenzen leben, wenn wir diesen Weg mitgehen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auf lange Sicht neben dem Offsetdruck den Digitaldruck als Standardproduktionsweg haben werden. Die Notwendigkeiten, die sich daraus ergeben, muss man akzeptieren, und man muss Lösungen erarbeiten, die einen höchst möglichen Nutzen dieses Verfahrens bringen. Das betrifft nicht nur die Verlage, sondern alle, die mit dem Buch zu tun haben…Quelle: Börsenblatt.net v. 10.5.002001Buch-Design als Aufhänger für die Darlegung der Notwendigkeit der strukturellen Neuordnung der WertschöpfungsketteAuf Einladung von Müller Martini entwickelt als Beitrag zur Eröffnung der VBF Buchtechnologie in Bad Mergentheim. Dort eingeladen zur Jahrestagung der Vereinigung der deutschen Buchbinder VdB, wo der Beitrag auf große Zustimmung stößt.mehr:Book design in the age of industrial book production 20012002Es braucht seine Zeit bis man entspannt über das Ende einer Beziehung sprechen kann - wenn sie Bedeutung hatte. Meine Beziehung zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und zu Droemer hatte und hat eine hohe persönliche Bedeutung. Die ersten Jahre zähle ich zu den glücklichsten meines Lebens.Nun also das Ende, überfällig wie 1994 in Berlin als ich mich nach München aufmachte.Ein Jahr für mich selbst. Neubestimmung. Selbstbestimmter Neustart. Das Konzept, das so lange in der Schublade ausharrte, meine Rückversicherung, macht noch ein Menge Arbeit. Ein kreatives, zukunftsorientiertes Jahr mit völlig neuen Perspektiven.