Die Zukunft des Lesens

von Johanna Romberg

Internet und E-Books verändern die Art, wie wir lesen. Die digitalen Medien verwandeln uns in Überflieger, die Texte nach Info-Bits filtern. Verlernen wir so das Denken? Oder werden wir klüger?

… Mit der Entwicklung der Schriftkultur befasst sich Horst Wenzel seit vielen Jahren. Und entdeckt dabei immer wieder erstaunliche Parallelen zwischen historischen Umbrüchen und den Mediendiskussionen der Gegenwart.

Wenn etwas bahnbrechend Neues in die Welt kommt, sagt er, dann geht immer auch etwas verloren. Und die Verluste sind für die Zeitgenossen oft stärker spürbar als die Gewinne. Als der Buchdruck aufkam, erhob sich eine Vielzahl von Klagen: Das neue Medium bewahrt keine Geheimnisse! Es macht die Schreiber arbeitslos! Es verfälscht die Werke der alten Dichter und Philosophen durch schludrige Raubdrucke! Am schlimmsten aber sei, dass es jede Meinung ungeprüft verbreite, alleyn uff gewynn und groß beschisß, sodass die Leute am Ende den buren mehr glauben als den glerten. So schimpft, um 1500, der Dichter Sebastian Brant.

Der Blick auf die Gegenwart zeigt jedoch, dass der Graben zwischen Buch- und Bildschirmmenschen so tief gar nicht ist. Beide sind, auf ihre Art, eifrige Schreiber und Leser; beide verbindet eine Überzeugung, die so selbstverständlich ist, dass sie kaum einer ausspricht: dass Informationen und Gedanken auch in der Netzwerkgesellschaft vor allem mithilfe des Mediums Schrift verbreitet werden.

… ›Wenn es in unserer Gesellschaft einen Graben gibt‹, sagt der Dortmunder Lesedidaktiker Peter Conrady, ›dann verläuft er nicht zwischen Computer- und Büchermenschen. Sondern zwischen denen, die neugierig auf die Welt sind - und denen, die es nicht sind.‹

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