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Archive für 18.7.2010

Digitale Aufklärung

Unser Denken soll das Internet lenken
von Jürgen Kuri

»Das Internet hat unser Denken bereits verändert. Wir haben uns daran gewöhnt, dass es eine entscheidende Ressource der Industriegesellschaften ist, die vermeintlich das gesamte Weltwissen bereitstellt. Und wenn wir uns nicht selbst wie selbstverständlich darin bewegen, so wissen wir doch, dass der globalisierte Gedanken-, Informations- und Geldaustausch im Netz funktioniert. …

Ein Netz mannigfaltiger Bewusstseinsströme entsteht: Der Grad der Vernetzung und die Geschwindigkeit, mit der Informationen uns erreichen, scheint kaum zu steigern und nimmt doch weiter zu. Die Smartphones sind der bislang letzte Baustein, der das Netz überall, jederzeit verfügbar macht; die Mobilgeräte bilden die sperrangelweit geöffneten Schleuse für das, was David Gelernter … als ›Lifestreams‹ bezeichnet.

Die Filter kennen nur die Vergangenheit

Viele Anwender fühlen sich von diesen Strömen überfordert. Social Networks wie Facebook, Twitter, MySpace und StudiVZ vereinen Bekannte und Unbekannte; sie führen zu einer halböffentlichen Existenz, Privatheit lässt sich kaum mehr bewahren. Selbst wer vorsichtig mit seinen persönlichen Daten umgeht, kann nicht entscheiden, was durch die von ihm hinterlassenen Spuren über ihn herauszubekommen ist. …

Gegen diese Überforderung hilft nur die Rückeroberung der eigenen Autonomie im Netz, eine ›digitale Aufklärung‹. Für diese Rückeroberung braucht es zwei Dinge: Wir müssen informierte Entscheidungen treffen können, und wir brauchen Filter für die Bewusstseinsströme des Echtzeit-Internets. Wir benötigen Informationen über die Verknüpfungen, damit wir bewusst entscheiden können, wie weit unser öffentliches Leben im Netz reichen soll. …

Unser bewusster, manchmal mühsamer Umgang mit den sozialen Filtern gibt die Bewusstseinsströme des Netzes in unsere Verfügungsgewalt. Die Technik mag weiter sein als die Menschen, doch wir können die Kontrolle übernehmen. Die digitale Aufklärung arbeitet dialektisch - mit den Werkzeugen, die uns heute zu überwältigen scheinen.«

mehr: faz.net

Die Zukunft des Lesens

von Johanna Romberg

Internet und E-Books verändern die Art, wie wir lesen. Die digitalen Medien verwandeln uns in Überflieger, die Texte nach Info-Bits filtern. Verlernen wir so das Denken? Oder werden wir klüger?

… Mit der Entwicklung der Schriftkultur befasst sich Horst Wenzel seit vielen Jahren. Und entdeckt dabei immer wieder erstaunliche Parallelen zwischen historischen Umbrüchen und den Mediendiskussionen der Gegenwart.

Wenn etwas bahnbrechend Neues in die Welt kommt, sagt er, dann geht immer auch etwas verloren. Und die Verluste sind für die Zeitgenossen oft stärker spürbar als die Gewinne. Als der Buchdruck aufkam, erhob sich eine Vielzahl von Klagen: Das neue Medium bewahrt keine Geheimnisse! Es macht die Schreiber arbeitslos! Es verfälscht die Werke der alten Dichter und Philosophen durch schludrige Raubdrucke! Am schlimmsten aber sei, dass es jede Meinung ungeprüft verbreite, alleyn uff gewynn und groß beschisß, sodass die Leute am Ende den buren mehr glauben als den glerten. So schimpft, um 1500, der Dichter Sebastian Brant.

Der Blick auf die Gegenwart zeigt jedoch, dass der Graben zwischen Buch- und Bildschirmmenschen so tief gar nicht ist. Beide sind, auf ihre Art, eifrige Schreiber und Leser; beide verbindet eine Überzeugung, die so selbstverständlich ist, dass sie kaum einer ausspricht: dass Informationen und Gedanken auch in der Netzwerkgesellschaft vor allem mithilfe des Mediums Schrift verbreitet werden.

… ›Wenn es in unserer Gesellschaft einen Graben gibt‹, sagt der Dortmunder Lesedidaktiker Peter Conrady, ›dann verläuft er nicht zwischen Computer- und Büchermenschen. Sondern zwischen denen, die neugierig auf die Welt sind - und denen, die es nicht sind.‹

mehr: geo.de

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